Vor Ort: Erinnerung, Exil, Migration

Jahrestagung der Gesellschaft für Exilforschung in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München
3. bis 4. September 2021

Die Jahrestagung 2021 beschäftigt sich mit Orten des Exils und der Migration und ihrem Verhältnis zu Erinnerungskulturen und regt den Austausch zwischen der Exilforschung und anderen Forschungsrichtungen an, die sich mit (erzwungener) Migration und Flucht befassen.


Herzlich Willkommen

Eine gemeinsame Tagung des NS-Dokumentationszentrums München und der Gesellschaft für Exilforschung verspricht vielfältige Ansätze und Perspektiven in der Untersuchung des Verfolgungsgeschehens, der (erzwungenen) Migration und Flucht sowie des Exils während der NS-Zeit. Insbesondere wenn sich der Blick auf eine vielfältige Topographie des Erinnerns richtet und nach der Bedeutung und Funktion von Orten des Exils und der Migration im kollektiven Gedächtnis gefragt wird, eröffnet sich ein breites Spektrum.

Historiker*innen, Kulturwissenschaftler*innen und Kurator*innen stellen in ihren Beiträgen historische Exilorte, Ausstellungen und Denkmäler und Orte der Literatur vor und diskutieren die Hintergründe ihrer Bedeutung in der Erinnerungskultur bzw. die Widerstände, die zu einem faktisch Nichtvorhandensein im öffentlichen Raum führen.

Die Tagung ist interdisziplinär und international ausgerichtet und möchte den Austausch zwischen Exilforschung und anderen Forschungsrichtungen anregen, die sich mit den Themen Flucht und Exil befassen. Sie widmet sich auch der Frage, inwiefern aktuelle Phänomene von Flucht, Vertreibung und Exil im Kontext dieses historischen Wissens verortet werden können.

Mirjam Zadoff
NS-Dokumentationszentrum München

Inge Hansen-Schaberg
Gesellschaft für Exilforschung e.V.


Weil Gesellschaften und Gemeinschaften sich ihrer selbst vergewissern, indem sie historische Bezüge herstellen, wird in ihnen um Orte und Praktiken des Erinnerns gerungen. In Deutschland verdeutlichen die Debatten über ein Exilmuseum zum Beispiel, dass Vergangenheit nicht zu „bewältigen“, „Wiedergutmachung“ nicht zu verordnen ist.

Erinnerungspraktiken in demokratischen Gesellschaften müssen immer wieder neu verhandelt werden. Kontroversen entzünden sich häufig in Bezug auf spezifische Orte, denen in sozialen Praktiken Bedeutungen zugeschrieben wird. Die Frage danach, wer an welchen Orten für ein Erinnern eintritt, ist dabei zentral.

Unsere Tagung richtet den Blick daher insbesondere auf die Rolle von Orten im kollektiven Gedächtnis. Gerade die prekären Verortungen im Exil und durch Migration machen es unabdinglich danach zu fragen, wie und an welche Orte erinnert werden kann oder sollte. In Anbetracht historischer und aktueller Fluchtbewegungen fragen wir so auch nach blinden Flecken spezifischer „Erinnerungskulturen“.

Wiebke von Bernstorff
Universität Hildesheim

Karolina Kühn
NS-Dokumentationszentrum München

Kristina Schulz
Université de Neuchâtel


Die Gesellschaft für Exilforschung dankt Prof. Dr. Martin Balle und Dr. Klaus G. Saur für ihre Spende für die Tagung.